Untersuchung der Sichtweisen und Ansprüche der Gesellschaft bezüglich derzeitiger Haltungssysteme und Züchtungsformen (Task 1.2)

1. Zielsetzung

  • Identifikation, Charakterisierung & „Entwirrung“ der gesellschaftlichen Ansprüche an die Nutztierhaltung und -züchtung in Deutschland
  • Gewinnung umfassender Erkenntnisse über die Verbrauchereinstellungen
  • Wissenschaftliche Überprüfung der ermittelten Diskussionsfelder

2. Vorgehensweise

Auf Basis einer Literaturrecherche sowie Experteninterviews werden die zu untersuchenden Haltungssysteme und Züchtungsformen sowie die dazugehörigen tierwohlrelevanten Hotspots identifiziert. Darauf aufbauend werden verschiedene Bürgerbefragungen durchgeführt. Die erste findet in Form von Einzelinterviews statt, bei der die Methode des Eye-Trackings (Beobachtung des Blickverhaltens) angewandt wird. Hier stehen die jeweiligen Teilnehmer und ihre Sichtweisen im Vordergrund, sodass Gründe für Akzeptanz bzw. Reaktanz der untersuchten Haltungssysteme und Züchtungsformen besser verstanden und Ansprüche herausgearbeitet werden können. Zudem wird untersucht, welche moralischen oder anderen Bewertungen die Teilnehmer im Hinblick auf die Haltungssysteme und Züchtungsformen vornehmen. Basierend auf den Erfahrungen aus den Einzelinterviews und Erkenntnissen aus Task 1.1 werden Gruppendiskussionen mit Bürgern vorbereitet. Hier bietet sich vor allem die Möglichkeit an, tiefer auf die eventuellen Änderungswünsche von Bürgern mit Hinblick auf derzeitige Haltungs- und Züchtungsformen einzugehen und durch das Format der Gruppendiskussion kontroverse Positionen herauszuarbeiten. Die Gruppendiskussionen werden an verschiedenen Orten in Deutschland durchgeführt. Aufbauend auf diese eher qualitativen Datenerhebungen wird eine repräsentative Online-Umfrage durchgeführt, in der mittels eines quasi-experimentellen Settings Haltungs-Alternativen bewertet werden.

3. Daten und Methoden

Es werden sowohl qualitative (z.B. Interviews, Gruppendiskussionen) als auch quantitative (z.B. Onlinebefragung) Erhebungsmethoden eingesetzt.

4. (vorläufige) Ergebnisse

  • Onlineumfrage im Sommer 2016 mit Bürgern ohne Bezug zur Landwirtschaft (N=1019; in Geschlecht, Alter, Bildung, Einkommen annährend Bevölkerungsrepräsentativ für Deutschland).
  • Es wurden 8 Bilder getestet. 2 Bilder zeigten ein glücklich schauendes bzw. ein traurig schauendes Schwein auf weißem Hintergrund. Die Auswahl der Bilder vom glücklichen bzw. traurigen Schwein erfolgte nach einer Vorstudie, bei der mehrere Bilder von Schweinen bewertet wurden und das jeweils am glücklichsten bzw. am traurigsten wirkende Schwein ausgewählt wurden. 2 Bilder eine Stroh bzw. Spaltenbucht ohne Tiere; 4 Bilder die möglichen Kombinationen aus glücklichen / traurigem Schwein in Stroh/Spaltenbucht.
  • Zur Bewertung der Bilder standen die folgenden semantischen Differentiale zur Verfügung: Schwein: zufrieden/unzufrieden; glücklich/unglücklich; gestresst/entspannt; aktiv/passiv; gesund/krank; mutig/ängstlich Stall: artgerecht/nicht artgerecht; natürlich/unnatürlich; gemütlich/ungemütlich; zukunftsorientiert/ nicht zukunftsorientiert; profitorientiert/ nicht profitorientiert; sauber/ dreckig.
  • Ergebnisse: Das glücklich schauende Schein auf weißem Hintergrund wird insgesamt positiver bewertet als das traurig schauende Schwein auf weißem Hintergrund. Die leere Strohbucht wird insgesamt positiver bewertet als die leere Spaltenbucht. Der Stall (Stroh/Spalte) hat den größten Einfluss auf die Bildbewertung wenn Schwein und Stall in einem Bild gemeinsam zur Bewertung stehen. Das Bild vom glücklich schauenden Schwein auf Stroh wird am positivsten wahrgenommen. Das Bild vom traurigen Schwein auf Stroh wird immer noch besser bewertet als das vom glücklichen Schwein auf Spalten.
  • Fazit: Die Bewertung von Bildern mit Schweinen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken in unterschiedlichen Haltungsbedingungen wird hauptsächlich von der (gesellschaftlich vorgegebenen) Bewertung des Haltungssystems beeinflusst. Den Befragten fällt die Bewertung des Zustands des Schweins offensichtlich schwerer als die Bewertung der Ställe, da diese gesellschaftlich breit anerkannt befürwortet (Stroh) bzw. abgelehnt werden (Spalten).

5. Vernetzung mit folgenden anderen Tasks bzw. Teilprojekten

Task 1.2 liefert einen entscheidenden Beitrag zur Arbeit in Task 4.1, in dem die Ansprüche der Gesellschaft an die Nutztierhaltung analysiert werden sollen. Bei der Erstellung der Interviewleitfäden und Fragebögen für die geplanten Befragungen werden alle Taskpartner und zudem die Partner der Tasks 1.1 und 1.3 eng mit einbezogen.

6. Ansprechpartner

Georg-August-Universität Göttingen, Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung, Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte

7. Beteiligte Partner

  • Privates Forschungs- und Beratungsinstitut für angewandte Ethik und Tierschutz INSTET gGmbH, Berlin
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Thünen-Institut für Marktanalyse, Braunschweig

8. Veröffentlichungen oder weitere Links

Erste Veröffentlichungen werden für Ende 2016 erwartet.