SocialLab – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft

 

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht kritisch über die landwirtschaftliche Nutztierhaltung berichtet wird. Häufig geschieht das emotional, nicht selten empört. Je reißerischer beispielsweise ein Artikel ist, desto eher wird auch ein Schuldiger präsentiert: Mal ist dies der Verbraucher, der zu oft das preiswerteste Fleisch kauft, mal trifft es den Landwirt, der ebenso pauschal mit allen „schwarzen Schafen“ seiner Branche gleichgesetzt wird. Oder es trifft den Handel, der seine Marktmacht missbraucht. Auch wenn die Kritikpunkte an der derzeitigen Situation sehr unterschiedlich sind: Zufrieden mit dem Ist-Zustand sind nur wenige. Anzunehmen ist vielmehr, dass auf vermutlich allen Seiten ein Unbehagen herrscht, das je nach individueller Situation und Persönlichkeit unterschiedlich stark ausgeprägt sein dürfte. Um in dieser Problematik zielführende, ausgewogene und ethisch vertretbare Lösungen zu finden, ist es erforderlich, die Kritik der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen an den gegenwärtigen Formen und Praktiken der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung differenziert zu durchdringen und ihre zahlreichen Facetten besser zu verstehen.

Zielsetzung des Projekts

  • Differenzierte Untersuchung der Kritik an der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung durch unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen (Verbraucher, Bürger, Landwirte, Handel, NGOs u.v.m.). Was sind die Hauptkritikpunkte, welche Aspekte sind eher weniger bedeutend? Welche Sorgen dominieren die Debatte?
  • Aufzeigen von realistischen Wegen, wie die landwirtschaftliche Nutztierhaltung aus Sicht der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen verbessert werden kann. Wie können die Kritikpunkte langfristig reduziert werden? Wie können die Sorgen der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen reduziert werden oder sogar verschwinden?
  • Unterstützung der gesellschaftlichen Gruppen bei der Ausrichtung ihrer Aktivitäten, der Politik bei der Ausgestaltung neuer Maßnahmen und der Wissenschaft bei der Identifizierung von Forschungslücken.
  • Abbau von Barrieren zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen (Verbraucher, Bürger, Landwirte, Handel) im Umgang miteinander.

Vorgehensweise

Das Projekt besteht aus vier Arbeitspaketen mit insgesamt 12 Teilprojekten, den Tasks. Dabei wird jeder Task durch mehrere Partner mittels eines interdisziplinären Ansatzes bearbeitet.

Daten und Methoden

Je nach Fragestellung wird die geeignete Kombination aus unterschiedlichen Methoden gewählt. Das methodische Spektrum reicht dabei von qualitativen (z. B. Interviews, Gruppendiskussionen) und quantitativen (z. B. schriftliche Befragungen mit vielen Teilnehmern oder Auswertung von realen Einkaufsdaten) bis hin zu bildgebenden Verfahren (z. B. funktionale Magnetresonanztomographie und funktionale Nahinfrarot Spektroskopie).

Vernetzung der Tasks bzw. der Teilprojekte untereinander

Jeder Task liefert für sich bereits wertvolle und von den anderen Tasks unabhängige Erkenntnisse für das Verständnis des Themas. Zusammen bilden sie das SocialLab und stellen die „Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft“ dar. Durch die enge Vernetzung wird gewährleistet, dass es zu keinen Überschneidungen kommt und sich die verschiedenen Tasks bestmöglich gegenseitig ergänzen. Die Zwischenergebnisse der Tasks werden regelmäßig von allen beteiligten Wissenschaftlern des SocialLab diskutiert.

Außerdem wird das Projekt durch einen Beirat begleitet, um keine relevanten Aspekte zu vernachlässigen. In diesem Beirat kommen NGOs (u.a. aus den Bereichen Tierschutz, Verbraucherschutz, berufsständige landwirtschaftliche Interessenvertretungen), der Einzelhandel sowie Vertreter des BMEL zu Wort. Zusätzlich werden, wann immer notwendig, auch Nutztierwissenschaftlicher hinzugezogen.

Finanzierung

Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung.

Ansprechpartner

Ansprechpartner für das Gesamtprojekt ist Dr. Inken Christoph-Schulz, Thünen-Institut für Marktanalyse in Braunschweig.